
Der Verbandsausschuss des BRV bei seiner zweitägigen Sitzung in Burghausen. © Jens Heinz
Ligen- und Arbeitsstrukturen sowie Digitalisierung – die jüngste Verbandsausschusssitzung des Bayerischen Ringer-Verbandes in Burghausen hatte wichtige Themen auf dem Schirm. Präsident Florian Geiger hob darüber hinaus auch die positive Entwicklung des eigenen Verbands hervor, während aus seinem Munde kritische Töne in Richtung des DRB gingen.
„Unser Ziel bleibt: Bis zum Ende des Jahrzehnts wollen wir die Marke von 20.000 Mitgliedern in Bayern erreichen, was angesichts des aktuellen Wachstums als realistisch eingeschätzt wird“, so Geiger in seinen Ausführungen. Fortschritte gäbe es beim Projekt Neubau des Bundesstützpunktes in Nürnberg. Zeitnah soll dazu ein Gespräch über einen eigenständigen Bau am Campus der Eliteschule des Sports stattfinden.
Neue Sportpolizisten
In den vergangenen drei Jahren wurden konstant immer deutlich mehr als 40 Medaillen bei deutschen Einzelmeisterschaften gewonnen. Erfreulich ist, dass nun mit Mark Barnowski (SV Johannis Nürnberg) und Maximilian Leo (TSV Berchtesgaden) zwei neue Sportpolizisten ab September in die Fördergruppe nach Dachau einsteigen werden.
Kritik der sportpolitischen Lage
Die mangelnde Zukunftsstrategie und die finanziellen Probleme des Deutschen Ringer-Bundes kritisierte Florian Geiger in seinem Bericht scharf. Der DRB vergäbe Meisterschaften an Standorten mit geringem Zuschauerinteresse, während erfolgreiche bayerische Standorte schlicht übergangen werden. Zudem steigt die finanzielle Belastung der Landesverbände auch weiterhin an. Es fehlt auf Bundesebene oftmals Geld für Sichtungen, internationale Maßnahmen oder Turnierteilnahmen. Die Kosten tragen dann oft die Landesverbände. Ein bayerischer Antrag, Kosten für internationale Starts von Athleten bei Europameisterschaften durch die Landesverbände übernehmen zu lassen, wurde vom Präsidium des DRB abgelehnt, obwohl es selbst keine ausreichenden Mittel zur Verfügung stellt.
Digitalisierung und Systemwechsel in der Passverwaltung
Enormen Diskussionsbedarf brachte das Thema eines Wechsels auf ein neues digitales System für die Passverwaltung und den Ergebnisdienst. Hintergrund: Die derzeit angewandte Version liefert keine Updates mehr und kann somit mittelfristig nicht mehr eingesetzt werden. Der Verbandsausschuss stimmte nun für die zukünftige Nutzung des Systems Armbruster welches für Bayern von Alexander Badewitz gehostet, weiterentwickelt und gepflegt wird. Die vollständige Umstellung, inklusive der Digitalisierung aller Startausweise, erfolgt indessen zum 1. Januar 2027. Im selben Monat wird allen Vereinen eine Online-Schulung sowie der entsprechende Leitfaden angeboten, um den Übergang zum neuen System zu ohne Problem auszugestalten.
Ligenstruktur und Terminplanung
Die bayerischen Einzelmeisterschaften werden im kommenden Jahr wieder auf zwei Termine fixiert. Da zwei Vereine großes Interesse bekundet haben, werden die Freistilwettkämpfe am 6./7. Februar in Freising über die Bühne gehen. Eine Woche später ermitteln dann die Griechisch-Römisch-Spezialisten in Nürnberg ihre Sieger.
Nach dem tollen Erfolg werden die Bayerischen Meisterschaften im Jahr 2028 wieder gesamt an einem Wochenende in Coburg stattfinden.
Diskutiert werden aktuell zeitgemäße Ausgestaltungsauflagen für die Mannschaften der bayerischen Ligen, beginnend mit den oberen Leistungsklassen um schrittweise die sportfachliche Qualifikation an der Matte zu erhöhen und die Nachwuchsarbeit nachhaltig zu stärken. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die ihre Arbeitsergebnisse im Herbst dem Verbandsausschuss vorstellen und erläutern wird.
Schulsport und Frauenringen
Das bayerische Landesfinale im Schulsport ist für den 10. Mai 2027 in Regensburg datiert. Ein internationales Trainingscamp für Ringerinnen der Altersklassen U14 und U17 soll erstmalig im kommenden Jahr in Feldkirchen über die Bühne gehen. Schon jetzt zeigen Österreich und die Schweiz großes Interesse sich zu beteiligen. Ein Testprojekt für den weiblichen Nachwuchs wird in diesem Jahr in Mittelfranken gestartet. In der Schülerliga, die im September beginnt, sollen zwei Gewichtsklassen exklusiv für Mädchen eingeführt werden, um die Attraktivität des weiblichen Ringkampfs für Talente zu steigern.
Main-Spessart Vereine beteiligen sich zukünftig regulär am bayerischen Sportbetrieb
Nach Diskussion, Beratung und Abwägung der einseitig und unausgewogen vorgetragenen Argumentation wurde der Antrag des Bezirks Main-Spessart auf Beibehaltung der aktuellen sportlichen Zuordnung zum Hessischen Ringer-Verband vom Verbandsausschuss mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die Mitglieder des Verbandsausschusses zeigten insbesondere wenig Verständnis für das öffentlich bekannt gewordene Verhalten der Bezirksführung anlässlich der Bayerischen Meisterschaft 2026 in Coburg, die andauernde Benachteiligung des bayerischen Sportbetriebes im Breiten- und Nachwuchsleistungssport bei Fortbestand der aktuellen Konstellation, sowie den Einsatz von bayerischen Staatsmitteln zur Vereins- und Sportstättenförderung, sowie der Nutzung von bayerischen Sportstätten, die unmittelbar und ausgleichslos den Sportbetrieb eines anderen Bundeslandes in struktureller wie finanzieller Hinsicht stärken. Die mittelfristige, aktuell nicht vollumfänglich absehbare sportpolitischeEntwicklung auf Bundesebene macht darüber hinaus eine Erhöhung der Anstrengungen des BRV erforderlich. Der Eintritt in den Dialog mit den Vereinen dazu ist für den Herbst vorgesehen.


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