Die bayerische Ligenplanung 2022 war sehr herausfordernd und durch den pandemiebedingten späteren Meldetermin und zahlreiche Unsicherheiten bei den Vereinen auch sehr langwierig. Das ist nun abgeschlossen. Die bayerischen Ligen stehen. Zeit auch wieder einmal den Blick in das deutsche Oberhaus des Mannschaftsringens zu werfen. Bei einer anberaumten Videokonferenz des DRB nahm auch BRV-Ligenreferent Jens Heinz (Regensburg) daran teil.

Ligenreferent Jens Heinz (links) und Präsident Florian Heinz. © BRV/Heinz

Um was ging es bei der Besprechung und sind auch Punkte dabei gewesen, die die Mannschaften in Bayern direkt betreffen?

Heinz: Im Wesentlichen ging es um ein Update für uns zur Durchführung der Bundesliga in der neuen Struktur mit 1. und 2. Liga, wenngleich mich der eine oder andere Punkt dann doch überrascht hat. Da wir uns aus Bayern heraus seit Jahren für die Wiedereinführung der 2. Bundesliga stark gemacht haben, betrifft uns und unsere Vereine dieses Thema natürlich. Es ist auch von entscheidender Bedeutung für die Funktion der Bayerischen Ligen. Bei der Videokonferenz waren neben dem Vizepräsidenten Bundesliga noch Funktionäre aus Baden-Württemberg, Hessen, dem Saarland, Rheinhessen und der Regionalliga Mitteldeutschland zugeschaltet.

Zunächst wurde der Austausch von 1. und 2. Bundesliga beleuchtet. Der Letztplatzierte der 1. Liga steigt in die 2. Liga ab und der Meister der 2. Liga steigt in die entsprechend regional vorgestaffelte 1. Liga auf. Zwischen dem Vorletzten der 1. Liga und dem Vizemeister der 2. Liga wird ein Relegationskampf zum Aufstieg, beziehungsweise Verbleib in der 1. Bundesliga ausgetragen. Soweit ist die Mindestregeneration der 1. Bundesliga gewährleistet. Überraschend war, dass es für die 2. Bundesliga nur einen Pflichtaufsteiger über alle Landesorganisationen hinweg geben soll und alle anderen sich dann in Aufstiegskämpfen für die 2. Bundesliga qualifizieren müssen, es aber keinerlei Pflicht zur Teilnahme an diesen Aufstiegskämpfen geben soll. Der Pflichtaufsteiger soll dabei aus der ARGE Baden-Württemberg kommen. Da dieser Punkt natürlich von entscheidender Bedeutung für unsere Oberligisten ist, habe ich beim Vizepräsidenten Bundesliga im Nachgang der Sitzung explizit diese Aussage schriftlich eingefordert. Thematisiert wurde auch, dass zweite Mannschaften nicht in der 1. Bundesliga, auch nicht in der 2. Liga ringen dürfen und wie dies in den Ländern gehandhabt werden soll. Aktuell steht dies aber in Widerspruch zu den bayerischen Richtlinien, die bindend für unsere Vereine sind. Falls es hier einer Änderung bedarf, kann diese nur im Verbandsausschuss erfolgen und benötigt dementsprechend klare und verlässliche Vorgaben durch den DRB mit dem zeitlichen Vorlauf zur Entscheidungsvorbereitung der Funktionäre. Das sehe ich im Moment noch nicht. Das vom Vizepräsidenten Bundesliga immer die Rede von der „3. Liga“ war, wenn es um den Aufstieg zur 2. Bundesliga ging, empfand ich als etwas unglücklich, da es de facto keine 3. Liga gibt und die Zuständigkeiten hier weiterhin und unverändert klar bei den Landesorganisationen liegen.  

Was denkst Du? Kann sich die 2. Bundesliga etablieren?

Heinz: Ich glaube, die Frage ist nicht, ob sich die 2. Bundesliga etabliert oder nicht, sondern ob sie langfristig funktionsfähig und attraktiv bleiben kann. Etabliert bei den Vereinen ist die 2. Bundesliga auf jeden Fall. Alle haben lange auf diesen Zwischenschritt auf dem Weg in die 1. Bundesliga gewartet und auf Kämpfe auf diesem Niveau hingefiebert. Entscheidend ist wirklich wie sich die Regeneration von 1. und 2. Bundesliga in den kommenden Jahren gestaltet und ob es für jeden Verein erstrebenswert ist in der Bundesliga zu ringen. Wenn es hier wieder stockt, dann stehen wir an demselben Punkt wie bei der damaligen Abschaffung der 2. Liga. Und das wollen wir Ringer sicherlich nicht noch einmal erleben. Wenn die Bundesliga erstrebenswert ist und bleibt, dann wird auch ein mehr oder weniger freiwilliger Aufstieg aus den Ländern in die 2. Bundesliga sicherlich kein Problem darstellen. Aber es darf einfach nicht ins Stocken kommen. Dann bin ich optimistisch, dass sich auch zukünftig aus Bayern Aufsteiger für die Bundesliga finden und begeistern lassen.    

Florian Geiger, wie schätzt Du die aktuelle Situation im deutschen Mannschaftsringen ein? Hat die Bundesliga in der jetzigen Form das Potential die Vereine zu begeistern und diese zum Aufstieg zu animieren?

Geiger: Ich glaube, das Wichtigste ist jetzt im ersten Schritt, dass die 2. Bundesliga überhaupt wiedereingeführt wird. Dafür war in den zurückliegenden Jahren viel Vorarbeit notwendig. Für die Mannschaften aus den Leistungsklassen der Länder bedeutet dies, es gibt nun endlich den lange herbeigesehnten Zwischenschritt zwischen 1. Bundesliga und Ober- beziehungsweise Regionalliga. Nun haben die Vereine wieder die Möglichkeit ihr Leistungsniveau stufenweise aufwachsen zu lassen. Genau diese fehlende Stufe auf dem Weg in das Ringeroberhaus wurde ja in den zurückliegenden Jahren immer wieder als Hauptgrund für die Verweigerung des Aufstiegs und, oder die Wettbewerbsverzerrungen in den Ligen der Länder angeführt. Von daher kann der jahrelange Wiedereinführungsprozess, der heuer tatsächlich mit dem ersten Kampf in den Staffeln der 2. Bundesliga sein Ende finden wird, nicht hoch genug eingeschätzt werden. Aber jetzt kommt es darauf an, die Bundesligen attraktiv zu halten. Das geht meines Erachtens aber nur durch die Sicherstellung einer ausreichend großen Regeneration der Bundesligisten in der 1. als auch in der 2. Bundesliga. Genau dort muss jetzt mit Vehemenz angesetzt und ein Konsens mit den Ländern und den Vereinen erzielt werden. Meine ganz persönliche Prognose ist, dass wir dies binnen der kommenden zwei Jahre schaffen müssen, da sonst der Schwung, den uns jetzt die Einführung der 2. Bundesliga gibt, verloren geht und wir uns dann zwangsläufig wieder mit den allzu gut bekannten alten Problemen der fehlenden Regeneration beschäftigen müssen. Soweit darf es im Sinne des Schutzes der großteils ehrenamtlichen Strukturen des DRB und der Landesorganisationen keinesfalls wieder kommen. Ich glaube der Berg, den es für das deutsche Mannschaftringen in der kommenden Zeit zu erklimmen gilt, ist hoch aber durchaus zu bewältigen. Wenn uns da gelingt, dann wird es leicht sein Aufsteiger für eine attraktive Bundesliga zu finden.

Wie ordnest Du die Erkenntnisse, die Jens Heinz aus der Videokonferenz mitgebracht hat, ein?

Geiger: Natürlich haben wir uns in Bayern auch aus dem Urlaub heraus abgestimmt was unsere grundsätzlichen Positionen für die Videokonferenz der Ligenverantwortlichen anbelangt. Schade finde ich, dass die Information auf den Verzicht der Aufstiegspflicht von den Ländern in die 2. Bundesliga erst jetzt konkret benannt wird. Hier hätte ich mir deutlich früher den Dialog und die Abstimmung mit den Landesverbänden gewünscht, zumal dies eine Information ist, die für unsere Vereine schon bei der Mannschaftsmeldung von Relevanz gewesen wäre. Auch die Regelung, dass nur ein Meister aus den Ligen aller Bundesländer ohne weitere Qualifikation aufsteigen darf, ist eine Information, die vorher kommuniziert und abgestimmt hätte werden sollen. Dies ist in jedem Fall auch ein Punkt mit dem wir uns in Bayern zwingend bei der nächsten Verbandsausschusssitzung befassen müssen. Hier hätte ich eigentlich darauf gehofft, dass uns, bevor wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden, ein entsprechendes Konzept zur Auf- und Abstiegsregelung vorgestellt und abgestimmt wird. Konkrete Vorschläge dazu liegen ja als Arbeitsgruppenergebnisse des vergangenen Jahres auf dem Tisch. Bis hier ein abschließender Konsens erzielt wird, erachte ich es nicht für zielführend, dass von Dritten Ligen gesprochen wird. Dies sind die Ober- und Regionalligen in der alleinigen Verantwortung der Länder oder der Länderzusammenschlüsse. Und genau diesen Unterbau gilt es so zu harmonisieren, dass jederzeit eine sichere Regeneration für die Bundesliga gewährleistet ist. Das wird aber nur im Dialog zwischen DRB, Ländern und Vereinen gelingen. Das ist die große Herausforderung für uns. Zeit um groß durchzuschnaufen haben wir dazu jetzt jedenfalls nicht.                   

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