Viereinhalb Jahre hat die Ausbildung der Spitzensportler Anna Schell (SC Isaria Unterföhring), Ramsin Azizsir (SV Wacker Burghausen) und Christopher Kraemer (TSV Westendorf) gedauert. Nun sind sie Polizeimeisterin beziehungsweise Polizeimeister. Wolfgang Barth (siehe Bild), Leiter der Geschäftsstelle Spitzensport im Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei, stand dazu Rede und Antwort.

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© Bayerische Bereitschaftspolizei

Wie schwer war es gerade in der Corona-Phase die Ringer auf die Prüfung vorzubereiten? 

Barth: Es war eine Herausforderung. Standardisierte Abläufe mussten über Bord geworfen werden und ein hohes Maß an Flexibilität und Engagement von Seiten der Sportlerinnen und Sportler als auch von dem Ausbildungspersonal des Ausbildungsseminares Spitzensport bei der Bereitschaftspolizei Dachau war gefragt. Zunächst konnte der Präsenzunterricht zu Beginn des fünften Ausbildungsabschnittes im September 2020 uneingeschränkt unter Beachtung der einschlägig geltenden Hygienemaßnahmen durchgeführt werden. Ein erster Schwerpunkt war die Vorbereitung auf die Englischprüfung.  Vorteilhaft ist natürlich die generell geringe Klassenstärke im Spitzensport mit maximal neun Sportlerinnen und Sportler, wobei sich in der S2016 nur sechs Schüler befanden. Bis Weihnachten wurden neben Englisch noch die schriftliche Prüfung abgelegt, die vier Tage dauerte. Nach den Feiertagen galt es den kompletten Fokus auf die Ende Januar 2021 anstehende praktisch-mündliche Prüfung zu legen. Die dafür notwendige und intensive Vorbereitungszeit wurde durch den verschärften Lockdown erheblich erschwert, da auch für den Spitzensport verstärkt Online-Unterrichtung angesagt war. Hier zeigte sich aber die gute Ausstattung und Konzeption bezüglich der Digitalisierung bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei als sehr vorteilhaft. Über unsere entsprechenden Lernplattformen erfolgte die theoretische Unterrichtung. Aufgrund interner Abläufe musste die praktisch-mündliche Prüfung allerdings um eine Woche nach vorne verlegt werden, so dass unseren angehenden Polizeimeisterinnen und Polizeimeistern noch weniger Zeit für die Unterrichtung der praktischen Inhalte verblieb. In „Sonderschichten“ und auch am Wochenende erfolgte unter strikter Einhaltung der Corona-Vorgaben diese Unterrichtung. Bei der Prüfung selbst zeigten die Athletinnen und Athleten mit sehr guten Leistungen, dass sie trotz dieser schwierigen Vorbereitungszeit die Inhalte verstanden und sehr gut umsetzten können. Somit haben sie sich diese Beförderung verdient und sind nun voll ausgebildete Polizeivollzugsbeamtinnen beziehungsweise -beamte. Sie können somit vollumfänglich im Polizeidienst eingesetzt werden.

Mit Witalis Lazovski (Burghausen) und Adrian Barnowski (Nürnberg) genießen zwei weitere Spitzensportler des BRV derzeit diese Ausbildung. Wie ist Ihr derzeitiger Eindruck von den beiden angehenden Polizisten?

Barth: Beide passen sehr gut zur Bayerischen Polizei. Von Beginn an haben sie sich hervorragend integriert und zeigen durch ihre Leistungen im Unterricht, dass sie den Beruf des Polizeibeamten auf jeden Fall dauerhaft ausüben möchten. Durch ihre persönlichen Eigenschaften, hervorzuheben sind hier besonders ihre Bodenständigkeit, Zielstrebigkeit, Teamfähigkeit und das hohe Engagement, bringen sie alles für den Polizeiberuf mit. Sie wissen die Vorzüge unserer Spitzensportförderung, die dadurch verbundene berufliche Absicherung, Freistellung für den Leistungssport, sehr zu schätzen und zahlen dies durch sehr gute, dienstliche wie sportliche Leistungen zurück. Sie werden, davon bin ich fest überzeugt, sehr gute Polizisten werden.

Ist die Ausbildung zum Polizeibeamten für den Bereich Spitzensport in Bayern bei allen Sportarten gleich? Oder gibt es da Unterschiede? 

Barth: Die Ausbildung ist immer gleichgeschaltet. Sowohl im Winter als auch im Sommersport haben wir eine viermonatige Präsenzphase, auf die sich die achtmonatige Wettkampfphase, also die Freistellungsphase, anschließt. Für beide Bereiche gilt: Der letzte, also der fünfte Ausbildungsabschnitt, dauert aufgrund der Vorbereitung zur Abschlussprüfung fünf Monate. Dies bedeutet, dass hier die Präsenzphase schon einen Monat früher, im Wintersport ab März, im Sommersport ab September beginnt. Natürlich reagieren wir auf individuelle Bedürfnisse oder sportliche Vorgaben sehr flexibel. Zur Vorbereitung auf sportliche Großereignisse, wie die Olympischen Spiele, kann es notwendig sein, dass Sportlerinnen und Sportler einen Ausbildungsabschnitt beim anderen Ausbildungsseminar absolvieren, umso mehr Freistellung für die Vorbereitung zu bekommen. Dies haben wir für Anna Schell so praktiziert. Aufgrund ihrer Qualifikation für Tokio 2020 und der beschlossenen Verschiebung auf 2021 hat sie den vierten Ausbildungsabschnitt beim Wintersport in Ainring absolviert.

Nachwuchssorgen im Bereich Spitzensport haben Sie keine?

Barth: Mittlerweile können wir aus einem großen Pool von Bewerberinnen und Bewerbern auswählen. Wir stellen jedes Jahr eine Klasse Winter- und Sommersport auf. Dieses große Interesse freut uns sehr und zeigt, dass unsere Spitzensportförderung in der Sportwelt angekommen und bekannt ist. Zu Beginn unserer Spitzensportförderung im Jahr 2012 hat sich dies noch nicht so positiv dargestellt und wir mussten uns erst einmal einen „Namen“ machen. Durch eine Ausweitung unseres sportlichen Portfolios können wir nun auf mehr Sportlerinnen und Sportler zurückgreifen. Hier möchte ich mit Stolz und Freude auf die im Jahr 2015 geschlossenen Fördervereinbarung mit dem Deutschen Ringer-Bund zu sprechen kommen. Der DRB wurde als erster Sportverband im Rahmen einer Fördervereinbarung aufgenommen. Dies wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Ringer-Verband hervorragend umgesetzt. Mittlerweile konnten wir gemeinsam ein starke Trainingsgruppe aufbauen. Sieben Ringerinnen und Ringer befinden sich derzeit in unserem Programm. Im Großraum Dachau-München herrschen sehr gute sportliche Rahmenbedingungen vor. Das Ergebnis kann sich, mit der Olympia-Qualifikation von unserer Anna Schell, mehr als sehen lassen und es zeigt aus meiner Sicht deutlich auf: Mit einem guten Teamwork von Sport und Polizei lässt sich sehr viel erreicht. Darauf können wir sehr stolz sein. 

 

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