4. Geloeste Verlobung

 

 

Dies war jedoch nicht die erste Zersplitterung. Die Oberfranken kochten ebenfalls schon länger ihr eigenes Süppchen und fühlten sich zu Thüringen und Sachsen hingezogen. Sie hatten schon vor dem großen Bruch Nord- und Südbayerns am 30.10.1900 dem XII. Kreis, Vogtland genannt, des DAV gebildet (somit Vorläufer des jetzigen BRV-Bezirkes Ober- / Unterfranken).

 Vorsitzender war G. A. Rebhuth aus Plauen. Er war zuvor beruflich als Journalist in Frank­furt tätig gewesen und wie bei einem eifrigen "Schreiberling" üblich, wurde jede Kleinigkeit im Verbandsorgan "Illustrierte Amateuer-Athleten-Zeitung" des DAV sofort bekannt gegeben. Der kleinste Landesverband des DAV  war dadurch für einige Jahr der am häufigsten erwähnte Kreisverband Deutsch­lands.

 An Vereinen schlossen sich ab 1900 dem Kreis Vogtland an: Germania Plauen,  Saxonia Plauen-Haselbrunn, Roland Oelsnitz, 1. Stemm-Klub Hof (gegründet am 29.2.1896 von Heinrich Dressel und Ursprungsverein des heutigen ASV Hof), Roland Hof 1896, Athletenklub Selb, Stemmklub Selb,  Athletenverein Jugendkraft Münchberg 1899, 1. Männer-Stemmklub Münchberg (Vereinsheim war die Wirtschaft „Wilhemshöhe“ in der Wilhelmstraße) ,  Athletenverein Münchberg 1898 (Vorgänger des jetzigen ASV)  mit seinem Veranstaltungslokal „Gastwirtschaft Leigold“ in der Kirchenlamitzer Straße, sowie  1. Athleten-Klub Achilles Falkenstein, Ring und Stemmklub Schwarzenbach-Saale, Athleten-Klub Schwarzenbach a.d.Saale und zwei Jahre später der  Ring- und Stemmclub Marktleugast 1902 und der Athleten-Club Bayreuth 1902.

Bester Ringer dieses Kreises war zur Jahrhundertwende der Hofer Christian Höra.

Warum fehlte im XII. Kreis der oberfränkische Traditionsverein aus Neustadt/Cbg. bei meiner Aufstellung? Hierzu muß man als Chronist in den Geschichtsbüchern nachschlagen. Das Coburger Land gehörte zur Kaiserzeit zum Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha und die Vereine traten deshalb dem X. Kreis (Thüringen) bei. Gegen Erfurt, Suhl, Zella-Mehlis und Benshausen wurde die Kräfte gemessen, während Bayern am anderen Ende der Welt lag.

 Bereits 1903 wurde in Neustadt/Cbg.  der I. Ring-Kraftsportverein von August Richard Dietz und Karl Schubert gegründet. Am 18.7.1907 wurde zusätzlich in der Kegelbahn der Brauerei Schulz der Athletenklub Felsenfest Neustadt von Ernst Baumgardten aus der Taufe gehoben. Zusammen mit dem dritten Verein Athletenklub Jung-Siegfried schloss man sich nach den Kriegswirren 1919 unter Athletenklub Felsenfest zu einem Schwerathletikverein zusammen. Per Volksentscheid hatte sich am 30.11.1919 die Bevölkerung zum Beitritt nach Bayern entschieden und im Juli 1920 wechselte man politisch nach Oberfranken, während man sportlich noch bei Thüringen blieb. Ringwart und später auch Vorstand des neuen mitgliederstarken Vereins Felsenfest wurde Christian Stegner. Er trug einen uns wohl bekannten Nachnamen. Sein Sohn Gerhard schwang bis zum Beginn der 90er Jahre das Zepter bei den Neustädter Ringern. Unter Christian Stegner wechselte man in die Gastwirtschaft „ Schützengesellschaft Jägersruh“, schaffte für 400 Mark eine neue Matte an und ging erst bei der politischen Zwangsauflösung 1934 zum VFL 07 Neustadt und auch sportlich veränderte man sich ungewollt zu den Bayern. Weitere Ringervereine existierten damals noch im benachbarten Kronach und in Neuses bei Kronach. Leider lösten sich diese zwei Vereine im Dritten Reich ersatzlos auf.

 

Foto: Christian Stegner

1. Vorstand Felsenfest Neustadt

1. Stadtsportverbandvorsitzender

1. Ringwart

 Die Ringdauer belief sich um die Jahrhundertwende bei den bayerischen Verbandsfesten nur auf fünf Minuten. International gab es diese Begrenzung natürlich nicht. Wurde in dieser Zeit keine Entscheidung herbeigeführt, so entschied entweder das „Schieben aus der Matte“ oder beim „Kreuzgriff“ das Berühren der Matte mit irgendeinem Teil des Oberkörpers. Dabei kam es natürlich auch zu Fehlentscheidungen. Legte man in der Verlängerung den Kontrahenten mittels Untergriffwurf platt auf die Matte, hatte der Griffausführende oft verloren, wenn er mit seinen Händen zuerst die Matte berührt hatte. Bei großen Konkurrenzen wurde die Ringzeit auch auf drei Minuten verkürzt, da oft 50 Athleten in einer der drei Gewichtsklassen gegenseitig antreten mußten.

 Im Jahr 1905 wurde in Schwaben der KSV „Eiche“ Aichach unter anderem von Ludwig Walter gegründet. Zumindest bis 1959 bestand dieser Verein.

 Mit dem Eingangs erwähnten Münchner Journalisten Jakob Dirscherl stand von 1911 bis 1919 erstmalig ein Bayer als Sportwart (jetzt Bundestrainer) in verantwortlicher Position beim DAV. Von 1920 bis 1923 war er sogar 1. Vorsitzender beim DAV.