3. Die Scheidung

 

Bayern war geographisch einfach zu groß. Zu weite und damit mühselige Anreisen, aber vor allem zu hohe Reisekosten brachten 1901 die unausweichliche Spaltung der Nordbayern von den Südbayern.

1. Vorstand im nun kleineren neu gebildeten IX. Kreis Südbayern nach der Trennung war Heinrich Steinmetz, Maistraße 56/I  5. Aufgang in München.

Nach der vollzogenen Trennung Nordbayerns ("Saupreußen") von den Südbayern bildeten dessen Vereine unter der Leitung von Heinrich Steinmetz selbständig den Kreis XIII. des DAV. Dies war wohl auch eine historische Überlegung, waren doch die bis 1806 von Hohenzollern regierten Franken eher als "Preußen" denn als "Bayern" zu bezeichnen. Zwischen beiden herrschte und herrscht eine von „Haßliebe“ umrankte Beziehung. Bayern und Preußen, das bedeute nicht nur Hauen und Stechen, Granteleien und scharfzüngiger Spott, sondern auch gewaltige Unterschiede von Mentalität und Lebensart, von religiösen Bekenntnissen und politischer Orientierung.  Erneut muß im Geschichtsbuch geblättert werden, um die Zusammenhänge leichter zu verstehen.

 Das Haus Hohenzollern, das fast 400 Jahre in Brandenburg/Potsdam regierte, ist im heutigen Bayern große geworden. Die zollerschen Burggrafen von Nürnberg bauten in Franken seit dem 14. Jahrhundert eine Machtstellung auf, die als Sprungbrett in die Mark Brandenburg und nach Preußen diente.

 Markgraf Alexander von Ansbach hatte 1796 zusätzlich das oberfränkische Fürstentum Bayreuth übernommen. Seine  Markgrafschaft Ansbach, also den evangelischen und damit den größten Teil Mittelfrankens hatte er bereits 1792 an die Hohenzollern verkauft. 1796 verhökerte er  für eine Leibrente von 300.000 Gulden dem preußischen König auch noch die Markgrafschaft Bayreuth. Mit Ausnahme des Hochstiftes Bamberg war nun auch noch Oberfranken preußisch. 1806 kam Ansbach im Tausch gegen Bayern. Zur Entschädigung für Ansbach erhielt Preußen dafür Hannover.  Als Markgraf  Alexander 1806 in England als Lebemann starb, marschierten in  Bayreuth unter Napoleon die Franzosen ein. 1810 verkaufte Napoleon die Markgrafschaft Bayreuth für zehn Millionen Francs an Bayern. So kamen also die Mittel- und Oberfranken noch vor der Völkerschlacht bei Leipzig (1813) zu Bayern. Dafür mußte Bayern Südtirol an Italien abgeben. Fichtelgebirge und Fränkische Schweiz wurden also gegen die Dolomiten eingetauscht.

 Vermutlich hatte man im Süden auch nicht vergessen, dass im letzten Krieg zwischen Bayern und Preußen im Jahr 1866 die Oberfranken sich nicht so richtig entscheiden konnten, ob sie bei der Schlacht vor Seybothenreuth zu Preußen oder ihrem neuen Heimatland Bayern halten sollten. Die Unentschlossenheit lag erst 25 Jahre zurück und war wohl noch in frischer Erinnerung.

 Den XIII.  Kreis Nordbayern (jetziger Bezirk Mittelfranken des BRV) bildeten 1901 folgende 33 Vereine :

 1. Männerstemmklub Vorwärts Nürnberg (Nürnberg-Steinbühl), Siegfried Nürnberg St. Leonhard (Klublokal "Park St. Leonhard),

1. Athleten-Klub Sandow Nürnberg 1896 (schloß sich 1957 dem TSV 1846 Nürnberg an), 1. Athletensportclub 1892 Nürnberg, Athleten-Klub Steinbühl,  Athleten-Klub Eiche Gleishammer, Athleten-Klub Germania Lichtenhof, ASC Röthenbach / an der Pegnitz 1898, 1. Athletenklub Schwabach, Ring-Stemmklub Attila Schwabach (wurde 1901 umbenannt in 1. Männer-Kraft-Sport-Klub Schwabach), Athleten-Klub Zirndorf, Bavaria Zirndorf,  Athletenklub Germania Roth am Sand, Cadolzburg, 1. Athleten-Klub Ansbach,1. Athletenklub Erlangen, 1. Männerstemmklub Kitzingen,  Athletenklub Germania Schweinfurt, Athleten-Klub Heidingsfeld, Ring- und Stemmklub Damm-Aschaffenburg (gehörte evtl. zu Hessen), Athleten-Gesellschaft Mainland Würzburg (trainierte im Restaurant Hutten in der Sanderglacisstrasse), Attila Würzburg, Frankonia Würzburg, AG "Hans Beck" Würzburg.

Ferner der Athletenclub Herkules Bamberg (vereinigte sich 1939 im Gasthof „Krug zum Grünen Kranz“ zusammen mit dem 1929 gegründeten SC Roland Bamberg zum heutigen KSV 1894 Bamberg,  Bavaria Bamberg, Athleten-Klub Einigkeit Fürth, Athleten-Klub Adler Fürth (trainierte im Restaurant Wolfshöfer, Marienstraße , Eiche Fürth, Einigkeit Fürth, Germania Fürth, Siegfried Fürth, Athleten-Klub Bavaria Fürth 1894 (Klublokal Zum goldenen Löwen, Gustavstr.), Kraftsport-Club 1897 Fürth, Athleten-Klub Herakles Fürth i.B. 1900. 

 Erst nach der Jahrhundertwende wurde der heute noch existierende SC Nürnberg 04 gegründet. Zu diesem Verein komme ich jedoch etwas ausführlicher an anderer Stelle. 

 Die letzte gesamtbayerische Meisterschaft  der zwei  Kreise Süd- und Nordbayern für drei Jahrzehnte fand  am 2.6.1901 in Ingolstadt statt, wenige Monate vor der offiziellen Trennung Süd- und Nordbayerns:

Den Lorbeerkranz  eines Landesmeisters erkämpften sich unter freien Himmel im gr.-röm. Ringen: Hans Schneider, 1. Athleten-Klub Nürnberg, 1. Klasse

Josef Beck, Gut Kraft München, 2. Klasse

Ulrich Gemmel, Sandow Nürnberg , 3. Klasse

und Karl Schuster, 1. Athleten-Klub Nürnberg in der Meisterklasse.

 Der Nürnberger Zimmermann Hans Schneider wurde drei Jahre später 1904 bei der ersten Ringerweltmeisterschaft in Wien Zweiter im Leichtgewicht. Er war zusätzlich noch Gewichtheber und gilt als Erfinder des Ausfallschrittes beim Stoßen.

 

 

Foto: Hans Schneider

Im Deutsch-Ringen  kamen 1901 zu Meisterehren:

Karl Schuster 1. Athleten-Klub Nürnberg in der 1. Klasse,  Josef Beck, Gut Kraft München in der 2. Klasse, Josef Krehle, 1. Athleten-Klub Ingolstadt in der 3. Klasse und Paul Biller vom 1. Athleten-Klub Ingolstadt in der Neulingsklasse.