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Wacker-Ringer vom Halbfinale ausgeschlossen

 

DRB gibt Protest von Mömbris gegen den Einsatz von Theodoros Tounousidis statt

 

Die Ringer des SV Wacker Burghausen können nicht im Halbfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft starten. Der Deutsche Ringerbund (DRB) hat am Mittwochabend in einer Schiedsgerichtsverhandlung in Würzburg dem Protest von Burghausens Viertelfinalgegner RWG Mömbris/Königshofen gegen den Einsatz von Theodoros Tounousidis stattgegeben. Mömbris tritt damit am Samstag in Köllerbach im Halbfinale an, für Burghausen ist die Saison beendet. „Das ist natürlich bitter, aber deswegen geht die Welt nicht unter“, kommentierte Wacker-Abteilungsleiter Hans Mühlthaler am Donnerstag das Urteil, gegen das es wegen der zeitlichen Not keine weiteren Rechtsmittel gibt. Der Würzburger Rechtsanwalt Dr. Markus Schädler ist als Vorsitzender des DRB-Rechtsausschusses zu dem Urteil gekommen, dass ein Einsatz von Tounousidis am 13. Dezember letzten Jahres für seinen schwedischen Heimatverein beieinem Vier-Städte-Turnier nicht mit den Bestimmungen des DRB für Mannschaftskämpfe zu vereinbaren ist. Der „Doppelstart“ des Greco-Spezialisten führt dazu, dass das Rückkampfergebnis zwischen der RWG Mömbris/Königshofen und Wacker Burghausen von 21:15 in 25:14 geändert wird und somit Mömbris im Halbfinale steht. Von Burghauser Seite waren Mühlthalers Stellvertreter Martin Draxlbauer, sportlicher Leiter Erwin Damoser und Rechtsanwalt Peter Schacherbauer bei der Verhandlung in Würzburg dabei. „Dass Mömbris erst nach dem Kampf den Protest eingelegt hat, ist nicht schön, ein früherer Zeitpunkt wäre sportlich natürlich fairer gewesen“, so Draxlbauer, der sich letztendlich wie seine Kollegen mit der Niederlage am grünen Tisch abgefunden hat. „Es gab durchaus einige formale Fehler beim Protest von Mömbris. Das hätten wir unter Umständen ausschlachten können. Ob das im Sinne des Sports gewesen wäre, ist sehr fraglich“, so Mühlthaler. Dr. Schädler lobte Burghausen sogar ausdrücklich dafür, dass der Verein darauf verzichtet hat die Rechtsmittel auszureizen, sondern vielmehr dazu beigetragen hat, dass während der Verhandlung neue Beweismittel aus Schweden zur Verfügung standen. „Nach Ansicht von Dr. Schädler sollten wir für unser Verhalten den Fair-Play-Preis des Jahres bekommen“, so Mühlthaler. Die Fans an der Basis sehen das zum Teil natürlich anders: Sie haben lange den Traum vom größten Erfolg der Vereinsgeschichte gelebt und sind jetzt entsprechend sauer. Hauptsächlich natürlich auf Tounousidis. „Wir werden mit Sicherheit nicht zur Tagesordnung übergehen“, so Draxlbauer vor der Vereinssitzung am gestrigen Abend. Mühlthaler stellt aber klar, dass mögliche Vereinssanktionen gegen den Athleten erst nach einem persönlichen Gespräch ausgesprochen würden. „Theo ist schließlich seit vier Jahren bei uns, ist der ausgesprochene Publikumsliebling und hat für unseren Verein schon großartige Leistungen erbracht. Das sollten die Leute, die jetzt den Stab über ihn brechen wollen, nicht vergessen“, so Mühlthaler, der vielmehr auf ein bereitwilliges Entgegenkommen von Tounousidis bei den Vertragsverhandlungen für die kommende Saison setzt. DRB-Präsident Manfred Werner kündigte während der Verhandlung an, dass die Richtlinien hinsichtlich der Mannschaftskämpfe klarer gefasst werden müssten, zumal es doch einige Interpretationsmöglichkeiten gäbe. Insofern ist es auch für die Wacker-Verantwortlichen sehr schwierig zu klären, ob Tounousidis wissentlich oder versehentlich gegen die Richtlinien verstoßen hat. Mömbris hatte zudem auch gegen den Einsatz von Weltergewichtler Sharur Vardanyan protestiert, weil dieser aber in Mömbris mit 1:3 verloren hat und sein Einsatz damit in der Summe nicht kampfentscheidend war, wurde gegen den 20-jährigen Schweden nicht verhandelt. „Wir wissen, dass er an dem Turnier am 13. Dezember nicht teilgenommen hat, weil er ja da für uns auf der Matte war“, so Mühlthaler, der klarstellt, dass ihm und seinen Vorstandskollegen der Einsatz von Tounousidis bis zum Protest aus Mömbris nicht bekannt war. Der Ringer-Chef hat natürlich großes Verständnis für den Ärger der Fans und für die Enttäuschung der Mannschaftskollegen, gewinnt der Entscheidung aber auch einen positiven Aspekt ab: „Vielleicht ist uns damit eine gewaltige Klatsche in Köllerbach erspart geblieben.“ Und: „Ich bin so lange beim Ringen dabei, dass ich den sportlichen Erfolg längst nicht mehr über alles stelle. Wir hatten eine tolle Saison mit vielen Höhepunkten, da ist so eine Niederlage am grünen Tisch zwar bedauerlich, aber eben im Wortsinn nicht tragisch. Für uns war es wichtig, dass wir uns in Würzburg als fairer Sportverein präsentiert haben und deswegen wünschen wir Mömbris auch Glück für die Kämpfe gegen Köllerbach.“ Im zweiten Halbfinale empfängt übrigens der SV Germania Weingarten den 1. Luckenwalder SC. Die Halbfinal-Rückkämpfe finden am Samstag, 17. Januar statt, die beiden Finalkämpfe sind für den 24. und 31. Januar terminiert.

MB.

Foto: mb-presse.de
 
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