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Offizielle Stellungnahme zur Thematik "Aufstiegspflicht in der Bayerischen Oberliga" Drucken

Stefan Günter    09.11.17

Florian Geiger, Ligenreferent des Bayerischen Ringer-Verbandes (BRV) nimmt offiziell Stellung zur aktuellen Situation in der Bayerischen Oberliga.

Beim Ringkampf handelt es sich bekanntermaßen um einen Leistungssport. Ein Aufstieg in die höchste Leistungsklasse im Mannschaftsringen muss demnach das erklärte Ziel aller am bayerischen Ligenbetrieb beteiligten Vereine sein. Natürlich haben wir als Verantwortliche des Bayerischen Ringer-Verbandes e.V. (BRV) vollstes Verständnis für die teils berechtigten Sorgen unserer Vereine und haben uns, wie die Vergangenheit eindeutig gezeigt hat, immer auf allen Ebenen bedingungslos für die Interessen aller bayerischen Vereine eingesetzt. So haben wir in den vergangenen vier Jahren, gegen die klaren Vorgaben des Deutschen Ringer-Bundes (DRB), zweimal die Aufstiegspflicht von der Bayerischen Oberliga in die 2. Bundesliga sowie 1. Bundesliga ausgesetzt und dies auch gegenüber unserem Spitzendachverband uneingeschränkt vertreten. Dies konnten und mussten wir auch gegenüber dem DRB zum Einen mit einer deutschlandweit nicht stringent umgesetzten Aufstiegspflicht aus den verschiedenen Landesorganisationen und zum Anderen mit geänderten strukturellen Voraussetzungen rechtfertigen und durchsetzen. Das zweimalige Aussetzen der Aufstiegspflicht, die wir als Zugeständnis und solidarische Unterstützungsmaßnahme für unsere Oberligavereine gegen viele Widerstände durchgesetzt haben, brachte uns im jeweils darauf folgenden Jahr bei der Ligeneinteilung in Bedrängnis und nahm uns jeglichen Spielraum bei der attraktiven Ausgestaltung und zukunftsorientierten Weiterentwicklung unserer Bayerischen Verbandsligenlandschaft.


Für die laufende Saison haben wir bereits vor über einem Jahr alle bayerischen Vereine und insbesondere auch unsere aktuell neun Oberligisten über die Auswirkungen und Folgen der Aussetzung der Aufstiegspflicht 2016 für die Saison 2017 informiert. Hier wurde durch die Verantwortlichen allen bayerischen Vereinen mehr als ein Jahr Zeit verschafft, sich auf die geänderten Rahmenbedingungen 2017 einzustellen und sich dementsprechend aufzustellen. Insbesondere wurde in dem damaligen Rundschreiben auch explizit die Durchsetzung der Aufstiegspflicht 2017 von der Bayerischen Oberliga in die DRB-Bundesliga herausgestellt. Die altbekannten Argumente, die nun wieder von einzelnen Oberligisten angeführt werden, es gäbe strukturelle Unsicherheiten für 2018 in der DRB-Bundesliga und nicht jede Landesorganisation setze die Aufstiegspflicht verbindlich um, trifft für die Saison 2018 nicht zu und kann daher auch nicht als Begründung für eine Aussetzung der Aufstiegspflicht herangezogen werden.


Um den berechtigten Sorgen unserer Oberligavereine in Bezug auf die Gleichbehandlung und Aufstiegsverpflichtung aller Landesorganisationen zu begegnen, hat der BRV, wie durch die Oberligisten gefordert, jahrelang, gegen etliche Widerstände in den Reihen der anderen Landesverbände, auf eine vollumfängliche und damit auch verbindliche Aufstiegsregelung über alle Landesorganisationen (Gleichbehandlung) hinweg gedrängt. Diese Aufstiegsverpflichtung ist nun seit Beginn diesen Jahres durch alle Landesorganisationen in Deutschland hinweg akzeptiert und die Nichteinhaltung dementsprechend auch mit Sanktionen seitens des DRB hinterlegt. Wie die Bundesligatagung, an der natürlich auch der BRV zur Interessenvertretung seiner Vereine beteiligt war, gezeigt hat, gibt es für die Saison 2018 in der DRB-Bundesliga keine strukturellen Änderungen. Die Aufteilung von drei regional gestaffelten Gruppen wird auch in der kommenden Saison erhalten bleiben. Alle bayerischen Bundesligisten befinden sich nach wie vor in der Staffel „Südost“. Hier soll auch der Aufsteiger aus der Bayerischen Oberliga eingruppiert werden.


Die Gewichtsklassen der Saison 2017 werden auch im nächsten Jahr in der DRB-Bundesliga beibehalten werden. Lediglich im Hinblick auf die 2016 eingeführte Budgetobergrenze und deren äußerst diffizile Überwachung gab es eine organisatorische Änderung. Die Budgetobergrenze wird durch ein Punktesystem, welches die teils gravierenden Leistungsunterschiede zwischen den Bundesligavereinen angleichen soll, ersetzt. Die Regelungen zum Start von Nichtdeutschen in der DRB-Bundesliga wurden beibehalten. Mit dieser Änderung, die mit dem Konsens aller derzeitigen Bundesligavereine in Kraft gesetzt wurde, wird die Bundesliga wieder attraktiver und der sportliche Abstand von den Verbandsligen, insbesondere der Bayerischen Oberliga, in die Bundesliga wird zugleich deutlich verkleinert.


Weiterhin verweisen die Oberligisten bezüglich der mangelnden Struktursicherheit auf die Auseinandersetzungen des DRB mit der sogenannten Deutschen Ringer Liga (DRL). Diese ist in der Realität nichts als ein Zusammenschluss von Profi-Ringer-Gesellschaften oder, was der Realität näher kommt, sie wären es gerne. Hier sind derzeit fünf deutsche Vereine unter, aus sportlicher Sichtweise, fraglichen Bedingungen beteiligt. Diese Abspaltung aus dem Ligenbetrieb des DRB hat derzeit keinerlei Auswirkungen auf die DRB-Bundesligen. Alle derzeitigen Bundesligisten haben sich bei der Bundesligatagung vom vergangenen Wochenende (5.11.) in Darmstadt mehrheitlich auf eine klare Linie zu einer möglichen Wiedereingliederung dieser zum Teil sehr finanzstarken Vereine in die deutsche Ligenlandschaft verständigt.


Ein Wiedereintritt in die bestehende DRB-Bundesliga kann nur auf sportliche Art und Weise durch einen regelkonformen Aufstieg aus den Verbandsligen der zuständigen Landesorganisationen erfolgen. Hieraus kann also auch keine Strukturgefährdung der bestehenden DRB-Bundesliga abgeleitet werden.


Die immer wieder als Argument für einen Nichtaufstieg angeführte Kostenproblematik, setzt sich aus mehreren Posten zusammen. Hier handelt es sich einerseits um die Gebühren, die nur bei entsprechender Verpflichtung von international erfolgreichen Sportlern an den Weltverband, die UWW, fällig werden. Hierauf hat der BRV keinerlei Einfluss und versucht, momentan glücklicherweise für alle bayerischen Vereine immer noch erfolgreich, diese Gebühren aus der bayerischen Ligenlandschaft fernzuhalten. Zum anderen fallen Lizenz- und sonstige organisatorische Gebühren beim DRB an. Diese sind, tatsächlich deutlich höher als etwa die vergleichbaren Lizenzgebühren in den bayerischen Verbandsligen. Hierauf hat der BRV auch nur indirekt Einflussmöglichkeiten. Hier spielen nämlich auch finanzielle Zwänge des Dachverbandes eine Rolle. Im Vergleich zu den Spitzenligen anderer Sportarten befindet sich die Gebührenhöhe aber noch im unteren mittleren Bereich. Auf die höheren Fahrtkosten für die bayerischen Vereine, die sich je nach lokaler Verortung in Bayern auf ein Mehr von ca. 10% – 30% im Vergleich zur Oberliga belaufen, möchte ich an dieser Stelle keine Worte verwenden. Dies wurde durch alle Oberligisten in der Vergangenheit immer als nicht ausschlaggebend verbucht.


Der meiner Meinung nach gewichtigste Kostenfaktor bei einem Wechsel in die oberste Leistungsklasse Deutschlands sind die Kosten für Ringer, die zur Verstärkung des Kaders durch die Vereine zugekauft werden. Unter dem Deckmantel der Konkurrenzfähigkeit liefern sich alle Vereine, auch die Bayerischen, seit Jahren einen ruinösen Wettbewerb um die „guten nationalen und internationalen Ringer“. Dies gipfelt derzeit tatsächlich in Börsen von über dreitausend Euro pro Ringer und Kampfabend, wobei der Peak dieses Preistreibens noch nicht erkennbar ist. Dieser, den Gesamtbestand unserer Ligenlandschaft bedrohlichen Problematik, versucht der DRB seit Jahren mit den wenigen zur Verfügung stehenden Mitteln zu begegnen. Beispielhaft hierfür sei nur die Budgetobergrenze oder das aktuell verabschiedete Punktesystem genannt. Weitere Handlungsoptionen seitens des DRB oder BRV, die in diesem Zusammenhang rechtlich realisierbar sind, gibt es für diese Problematik leider momentan nicht.


An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass der BRV alle Ringervereine in Bayern vertritt und dementsprechend auch deren Interessen berücksichtigen muss. Eine erneute Aussetzung der Aufstiegspflicht von der Bayerischen Oberliga in die DRB-Bundesliga würde uns, wie ja bereits in diesem Jahr geschehen, erneut in die missliche Lage bringen, die strukturellen Folgen dessen auf alle bayerischen Verbandsligen übertragen zu müssen. Um die Auswirkungen zu verdeutlichen, möchte ich kurz ein paar allgemeine Eckdaten unserer Ligenstruktur in Bayern erörtern:


Wir verfügen mit der Oberliga, der Bayernliga, den beiden Landesligen mit Nord- und Südstaffel, sowie mit der ebenfalls in Nord- und Südgruppe unterteilten Gruppenoberliga und der dreigeteilten Gruppenliga (Nord, Süd, Mitte) über ein funktionierendes fünfstufiges Ligensystem aus dem der jeweils Erste satzungsgemäß eine Aufstiegs- und der Tabellenletzte eine Abstiegsverpflichtung hat. Dies gewährleistet den ständigen Austausch und damit den sportlichen Wettbewerb zwischen den bayerischen Vereinen. Setzt man nun den Aufstieg aus, führt dies automatisch zu einer höheren Anzahl von teilnehmenden Vereinen im Folgejahr in der Oberliga. Dem kann man nur damit begegnen, dass auch der Vorletzte einer Abschlusstabelle absteigen muss. Dies funktioniert bis zur Höhe der Bayernliga. Erreicht man dann aber die Höhe der zweigeteilten Ligen, kann es hier, je nach lokaler Verortung der Auf- und Abstiegsvereine in Bayern notwendig werden, auch den Drittletzten zum Abstieg zu zwingen. Dies ist meiner Bewertung nach unverantwortlich und dem betroffenen Vereinen auch nur äußerst schwer zu vermitteln. Denn die Zielstruktur, die auf den Wünschen der gesamten bayerischen Vereine fußt, ist eine ausgeglichene Ligenstruktur mit acht Vereinen pro Leistungsklasse. Nur dadurch lässt sich ein Kampfbeginn zum Ende der Sommerferien hin und ein zeitiges Kampfende vor Weihnachten realisieren. Mit der erneuten Aussetzung der Aufstiegspflicht wäre diese altbekannte Struktur gefährdet. Eine Neustrukturierung mit vielen unzufriedenen bayerischen Vereinen, deren Teilnahme am Ligenbetrieb dadurch fraglich würde, wäre die Folge. Selbst wenn Bayern jetzt den Weg einer Neustrukturierung mit allen Konsequenzen einschlagen würde, wäre dies zum jetzigen Zeitpunkt, ohne planbare Kenntnis der langfristigen Absichten aller anderen Landesorganisationen und einer möglichen Änderung der zukünftigen Ausrichtung des Dachverbandes zu den Mannschaftskämpfen, wenig zielführend. Es würde blindem Aktionismus gleich kommen und die gesamte Ligenlandschaft, die seit langer Zeit in den vergangenen Jahren endlich wieder ein Plus an teilnehmenden Vereinen verbuchen konnte, gefährden.


Natürlich verstehen wir, dies haben wir in der Vergangenheit ja auch mehrfach mit unseren eindeutigen Stellungnahmen unserem Handeln und dem entsprechendem persönlichen Einsatz deutlich gemacht, die finanziellen und teils existenziellen Sorgen der Oberligavereine, müssen hier aber als Verband ganz deutlich zwischen den Einzelinteressen von wenigen Vereinen und dem Gesamtinteresse aller Bayerischen Vereine differenzieren. Das der DRB diese Problematik auch aufgegriffen und angegangen hat ist in den Veränderungen der Bundesliga, die in den letzten Jahren vorgenommen wurden, mehr als deutlich geworden. Nur eine attraktivere Bundesliga mit einem geringeren Leistungsgefälle und dementspr. geringeren Kosten kann diese Problematik meiner Meinung nach dauerhaft lösen.


Auch der BRV, und dass möchte ich an dieser Stelle nochmals besonders herausstellen, ist mit der momentanen Situation in der Oberliga nicht zufrieden. Aber als Verband unterliegen auch wir der Richtlinienkompetenz des Dachverbandes und den Sanktionen im Falle der Nichtmeldung des „aufstiegsberechtigten Vereines“ bis zum 31.12.2017. Nachdem der aufstiegsberechtigte Verein der Bayerischen Oberliga gemeldet wurde, endet zudem die Zuständigkeit des BRV. Alle weiteren Schritte und Maßnahmen liegen dann in der Verantwortung des DRB.


Für die Erarbeitung einer langfristigen und auch dauerhaft tragbaren Ligenstruktur für ganz Deutschland wurde jüngst in Darmstadt eine verbindliche Absprache zu einem Gesprächstermin im I. Quartal 2018 getroffen.


München, den 9. November 2017

 
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